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08.11.06
 
Liebe Freunde,
 
ich melde mich noch einmal aus Santiago. Die drei Tage waren jetzt ganz für mich und für die Peregrinos, die mit mir ein Stück Weg gegangen sind. Ja, es gibt viel zu erzählen, aber im Moment ganz viel zu fühlen, zu spüren und zu schauen. Dieser Weg verändert die Menschen und so auch mich. Ich bin nicht nach Finisterre. Ich wollte nach Santiago und hier bin ich angekommen. Ich bin über die Grenzen meines Körpers gegangen, um zu erfahren, ich bin nicht mein Körper. Als  ich los ging wusste ich eigentlich nicht was ich suchte, ich wusste nur, ich muss gehen. Ich muss mich auf den Weg machen. Ich bin so reich beschenkt worden, ich hätte das nicht suchen können. Ich bin glücklich.
 
Morgen fliege ich nach Bärstadt aber zu Hause bin ich schon jetzt. Ich freue mich auf Euch, die Ihr mich in Gedanken begleitet habt. Eins habe ich begriffen, Santiago ist nicht das Ziel sondern ein neuer Anfang.
 
Bis bald
 
Mechthild
 
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Dir Konstanze vielen Dank für Deine liebevolle Unterstützung.
 
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08.11.2006

wahrscheinlich ist es von mir die vielleicht letzte Eintragung auf dieser Seite...

Nun hat Mechthild ihre große Reise zu Ende gebracht ... ich hole sie morgen vom Flughafen ab, sie hat im Moment keinen Internetzugang und alles läuft per SMS ...  Sie wird viel zu erzählen haben ... ich bin gespannt auf alles und natürlich darauf, meine Schwester neu zu erleben nach diesem grandiosen Erlebnis!

ich wünsche allen Freunden eine gute Zeit - Konstanze

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07.11.2006                                                      Santiago de Compostella

Nun ist es geschafft!!!!!!!! 

Mechthild hat mir eine SMS geschickt: ich gebe einfach mal den Inhalt hier wieder: Liebe Konstanze, ich habe es geschafft. Ich bin seit 14 Uhr in Santiago!!!! Mechthild

Wahrscheinlich hat sie diese SMS vielen von Euch gesendet, doch die, die es noch nicht wissen, denen möchte ich es hiermit sagen.

Dir liebe Schwester kann ich nur sagen: Herzlichen Glückwunsch zu der Reise Deines Lebens!!!!!!!! einfach nur toll!!!!!!!! ich bin so begeistert und war in Gedanken die ganze Zeit bei Dir . . .

Du hast etwas sehr Großes vollbracht . . .  Du weißt das, oder wirst es erst mit der Zeit erfahren bzw. erkennen . . . .

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04.11.2006

Liebe Freunde,

einige Tage habe ich jetzt nichts von mir hören lassen. Es waren Tage der Freude. Nachdem ich mich im Selbstmitleid gebadet habe, ganz alleine in der Herberge, kam abends die Herbergsmutter, brachte mir heiße Milch und Honig und machte die Heizung an, damit mir nicht kalt ist. Ich könne gerne noch einen Tag dableiben und mich auskurieren. Aber meine starke Natur hat gesiegt. Am nächsten Morgen bin ich um 7:30 los. Noch einmal auf 1000m und dann durch herrliche Kastanien-, Eichen- und Kiefernwälder nach Sarria. Auf dem Weg, bei schönstem Wetter hatte ich die Begegnung vor der ich den ganzen Weg Angst hatte, nämlich eine Begegnung mit einem halbwilden Hund. Roland, Dein Stock verlieh mir eine Autorität, die ihn dann endlich in die Flucht schlug. Alles gut gegangen. Ich hatte durch den Stock kaum Angst. Als ich in Sarria ankam, nach 20 km, war die Sonne so schön, die Zeit so früh, dass ich noch 5 km zulegte und kam wieder in eine Herberge, in der kein Mensch war. Ich entschloss mich in einen kleinen Landgasthof zu gehen und das war gut. Der Wirt spielte Papa und verabreichte mir Medizin und siehe da, mein Husten wurde von Tag zu Tag besser. Am nächsten Tag in Portemarin, die große Überraschung. Ich hatte mich in der Herberge eingerichtet, wollte in die Apotheke, als plötzlich jemand Maggy rief. In dem Restaurant saßen Mody, Bob und Kim. Kim war auch krank und musste pausieren. So trifft sich, was sich treffen soll. Gestern und heute lief ich je ca 28 km. Es läuft wie geschmiert. Ich könnte einfach weiterlaufen. Nichts tut mehr weh, es macht einfach Spaß in diesem schönen Land durch Wälder, Dörfer und Wiesen zu laufen. Wenn ich morgen 30 km gehe, kann ich am Montag um 12:00 in die Pilgermesse. Wenn ich weniger laufe, bin ich am Montag Nachmittag in 
 
S A N T I A G O    
 
und gehe am Dienstag in die Pilgermesse. Ich kann es kaum glauben. Sicher werde ich weinen. Vielleicht melde ich mich noch einmal in Santiago. Euch allen vielen Dank für die Unterstützung, die ich bei jedem Schritt gespürt habe. Aber wie Roland mir zum Geburtstag schrieb, beschützt und getragen hat mich ein Anderer. Keinen Moment habe ich mich wirklich verlassen gefühlt.
 
Am Dienstag entscheide ich mich, ob ich noch nach Finisterre gehe. Das wären noch einmal 4 Tage. Wer weiß.
 
Alles Liebe
 
Mechthild


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04.11.2006

gerade habe ich mit Mechthild telefoniert, da ich einige Tage nichts von ihr gehört habe . . ihr geht es gut, ihre Erkältung ist am Abklingen und es geht wieder aufwärts . . . sie hat noch 40 km bis Santiago . .
Sie hat nur in diesem Teil kein Internet und deshalb fallen die Infos im Moment etwas spärlich aus . . .

Allen einen lieben Gruß von Mechthild sagt Euch Konstanze

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31.10.2006

Liebe Freunde,
 
Hape Kerkeling schreibt in seinem Buch, der Camino nimmt dir alles, aber er gibt es Dir dreifach zurück. Das stimmt. Vorgestern war ich noch guter Stimmung, weil ich 28 km leicht geschafft habe. Ich dachte, ich bin über den Berg. Ja, über den Berg bin ich gestern. 700 Höhenmeter hinauf, 200 'runter, 200 'rauf. Hört sich alles easy an. War es nicht. Gestern Abend wollte ich nie mehr auch nur einen Meter gehen. Aber es war eine wunderschöne Tour. Die Berge in wunderbarer Sonne. Die Herbstfärbung. Die wunderschönen Dörfer mit ihren Bruchsteinhäusern. Einsame Bergwelt. Ich ging ganz alleine, aber in allen Dörfern warteten Jan, Mody und Bob bis ich kam. Auch in der Herberge waren wir gestern wieder zusammen. Wahrscheinlich zum letzten Mal. Heute sind alle weiter gezogen. Ich bin nur 12 km gelaufen. Ich habe die Krankheit noch immer in den Knochen und habe Zeit. Ich gehe meinen Camino und das heißt, die Grenzen meines Körpers zu respektieren. Ich treffe immer wieder junge Leute, die all das auch durchmachen. Keiner geht diesen Weg, einfach so. Ich traf Schnellläufer in einer Herberge im Bett liegen. Sie werden alle kleinlaut und demütig. Wie ich!!!!!!!!!!!!!!!!!! 
Jetzt liege ich in einer Herberge, mutterseelen alleine im Bett und werde wahrscheinlich heute Nacht alleine hier schlafen. Ich bin froh, meinen Tagesbericht ins Internet schreiben zu können. Ich danke Euch dafür. Das tut mir wirklich gut. Morgen werde ich nach Sarria gehen und dann sind es nur noch 110 km. Ich glaube, der Camino fängt in Santiago erst an. Dann beginnt die Zeit des Verdauens und die wird lange dauern. Länger als im Moment bei mir. ( Ich meine körperlich)
 
Alles Liebe Euch und bon camino.
 
Mechthild


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29.10.2006
 
Liebe Freunde,
 
heute hatte ich wieder einen wundervollen Tag. Ich konnte 1 Stunde früher losgehen und hatte einen langen Gang vor mir. Über Villafranca, einer wunderschönen Stadt ging es durch Kastanien- und Kieferwälder bis hier nach Ruitelan. 27 km bin ich heute gelaufen. Nach 24 km fand ich Jan alleine in einer ungemütlichen Herberge und konnte ihn bewegen mit mir noch 2,5 km weiter in eine sehr gemütliche Herberge zu kommen.......... und siehe da, alle sind wieder da. Patrizia,Mody und Bob. Wir werden gemeinsam Abendessen und früh ins Bett gehen. Morgen steigen wir auf 1300 m und hoffen, auch in den Bergen schlafen zu können. Übrigens, noch 163 km. In 3 Tagen werden wir in Sarria sein.
 
Alles Liebe Mechthild

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28. Oktober 2006

Liebe Freunde,

jetzt habe ich mich 3 Tage nicht gemeldet und das waren ereignisreiche Tage. Im Außen, wie im Innen. Am 25. lag ich den ganzen Tag flach und wollte nur sterben. Aber das Leben geht weiter. Am 26. ging es mir wieder gut und mein Antreiber schickte mich auf die Piste. Nach 6 km fühlte ich mich noch immer gut und wollte alleine bei Nebel und Regen die 12 km über die Berge wagen. Als ich in einem kleinen verfallenen Dorf an der Herberge vorbei kam, ging die Tür auf und Jan, der Holländer kam heraus. Kreidebleich, ich dachte ihn schon über alle Berge. Du willst doch so nicht über den Berg. Komm' herein hier ist es warm. Ich konnte dem nicht widerstehen und war sehr froh, nicht weiter zu müssen. Die Herbergsmutter hatte Wasserreis gekocht und wir konnten in geheizter Stube ausruhen. Im Bücherregal fand ich Eckhardt Tolles Buch: Stillness speaks. Wenn das kein Zeichen ist.

Gestern hatte ich den schönsten Tag auf meinem Camino.Nach einer Enttäuschung....,ich wollte mal wieder ganz brav sein, erlebte ich die Berge vom Nebel bis die Sonne sie verzauberte. Es war so wundervoll mit vielen mystischen Momenten. Ich ging ganz alleine,fühlte ein Geborgensein und kam nach 20km, 900m tiefer in der Herberge an. Keine Wolke am Himmel und warm.

Heute ging der Weg über Ponferrada nach Cacabelos. 24km. Dann die Herberge zu. Mein Rucksack war so schwer wie am ersten Tag. Die Regenkleidung ist ja jetzt auf meinem Rücken und nicht auf dem Leib. Also bleibt nur ein Hotel oder noch 8 km Fußmarsch. Gleich liefen mir zwei Kanadierinnen und Jan über den Weg. Heute Nacht schlafe ich mit den beiden Frauen in einem Dreierzimmer. Die French-Kanadierinnen kenne ich von Burgos. Sie sprechen ein schreckliches Englisch. Wahrscheinlich sagen sie dasselbe von mir. Jan ist ein bisschen wie Björn, nur ein paar Jahre älter. Wir sind nach unserer durchlittenen Krankheit zusammen gewachsen.

Bon Camino,mal sehen was der morgige Tag bringt

 

Alles Liebe Mechthild

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25. Oktober 2006

Liebe Konstanze,

Vielen Dank, das hat mich sehr berührt. Du kleine, große Schwester.

Liebe Freunde,

vielen Dank für die vielen Glückwünsche. Der Tag begann mit vielen Anrufen und Glückwünschen in der Albergue. Ich hatte einen wunderbaren Wandertag nach El Rabanal, ich ging alleine, traf einige interessante Pilger. 22 km fast nur im Regen. Aber trotzdem lief es gut. Dann, als ich in der Herberge ankam, kam der Schüttelfrost. Ich ging sofort ins Bett und verbrachte meinen Geburtstag bei heißer Milch mit Honig und liebevoller Betreuung der Herbergsmutter und 2 Wolldecken. Die ganze Nacht habe ich Hustenbonbons gelutscht, um die anderen Pilger nicht zu stören. Heute habe ich mich in einem Hostal eingemietet und hoffe morgen, bei vielleicht besserem Wetter ( Es regnet noch immer ). Seelisch geht es mir sehr gut. Ich freue mich auf die Berge. Auch meine kleine Gruppe, mit der ich mich abends traf ist hier geblieben. Sie gehen vielleicht heute Mittag weiter. Ein nettes Ehepaar aus Holland ist auch hier im Hostal. Am Camino gehen die Leute und neue kommen wieder und man trifft wieder alte Bekannte. So gestern Patrizia, eine junge Spanierin, die mit mir in Pamplona begann. Sie tröstete mich gestern und sagte. Wer auf dem Camino nicht krank wird, nimmt den Camino nicht. Das gehört dazu. Es ist wunderbar einen inneren Begleiter, wie Alfred zu haben. Er erlebt seinen Camino, er ging vor einem Jahr, noch einmal und es ist als ob er mitgeht.

Bon Camino

Mechthild

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24. Oktober 2006

nun muss ich mal als Schwester von Mechthild hier meinen eigenen Beitrag einfügen:

Dir liebe Mechthild möchte ich ganz herzlich noch einmal alles Liebe und Schöne zu Deinem heutigen Geburtstag wünschen, mögen sich alle die Wünsche für Dich erfüllen, die gut für Dich und Deinen Weg sind, was immer da auch kommen mag . . .  Doch das größte Geschenk hast Du Dir selbst bereitet mit Deinem Weg, auf dem Du Dich im Moment befindest . . . .

Alles erdenklich Gute für Dich - Konstanze (die "kleine Schwester")


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23.10.2006

Liebe Freunde,
 
Astorga hat uns mit Sonne empfangen. Es ist kalt und windig. Wir sind in einer urgemütlichen Herberge und haben gemeinsam gekocht. Ich bin so satt. Ab Morgen geht es in die Berge. Übermorgen sind wir auf 1.500m am Eisernen Kreuz. Die Landschaft ist heute schon lieblicher geworden. Ich bin sehr erkältet aber guter Stimmung.
 
Alles Liebe Mechthild

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22.10.20006

Liebe Freunde
 
ich wiederhole mich, es regnet. Trotzdem lassen wir uns nicht unterkriegen. Die Landschaft ist eintönig. Ich gehe an langen Feldern vorbei. Heute waren es 24 km bis Hospital de Orbigo. ein wunderschönes Städtchen mit einer sehr langen, sehr schönen Brücke. Wir sind in einer urgemütlichen, privaten Herberge mit einem warmen Feuer. Alles ist blitzsauber. Wir sind inzwischen ein lustiges Völkchen von ca 10 Personen, die sich abends in der Herberge treffen. Seit Tagen habe ich kein Deutsch mehr gehört. Denn Horst, der Mann aus Frankfurt spricht auch nur englisch. Jetzt kochen wir zusammen und werden sicher einen schönen Abend haben. In Leon habe ich mir eine Superhose gekauft. Swissmade. Superleicht, absolut wasserabstoßend und innen warm. Ich hatte keine nassen Beine. Von Alfred habe ich seit Leon nichts mehr gehört und ich höre ihn sagen: Jetzt machen wir die Übung, keine SMS und Mails zu verschicken. Ich hoffe, das ist der Grund. Morgen sind wir in Astorga und wir haben noch 250 km. Dann geht es in die Berge. Ich bin jetzt seit einer Woche immer so auf 900 m gelaufen. So genug für heute.

Alles Liebe Mechthild


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19.10.2006

Liebe Freunde,


Leon ist eine wundervolle Stadt. Trotz des Regens macht es Spaß, die Stadt zu erkunden. Ich bin mit einer Schottin und einem Ehepaar aus Australien zusammen. Ich habe mich mit einem neuen Cape und warmen Hosen ausgerüstet. Wir werden wohl die nächsten Tage noch Regen haben. Aber, die Laune ist gut und ich fühle mich sehr wohl. Gestern schlief ich bei den Nonnen, die uns wundervoll betreuten. Beim Eintritt mussten Schuhe und Schlafsack entfloht werden. Das hört sich schlimmer an, als es  ist. Heute schlafe ich mit Kim, der Schottin in einem Hotel der Nonnen, mit Marmorbad und Badewanne. Ein Luxus!!!!!!!!!!! Die Kathedrale ist gigantisch. Die Größte von Spanien.

Alles Liebe Mechthild

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18.10.2006

H A L B Z E I T

Liebe Freunde,

Das war heute ein Tag. Von heute Morgen um acht Uhr bis jetzt regnet es. Heute Mittag kam ich in ein Unwetter, der Himmel war schwarz, der Regen waagrecht und mein Cape hat den Geist aufgegeben. Die Hosen waren klitschnass. Aber irgendwie gehört das alles dazu. Die seelische Stimmung geht nur manchmal herunter. Jetzt bin ich in Mulas und habe morgen noch 19 km bis Leon. In den Herbergen ist abends um 22:00 absolute Nachtruhe. Morgens um Acht muss man die Herberge verlassen, egal wie das Wetter ist. Wenn man Glück hat, kann man sich ins nächste Café retten und noch frühstücken. Ich hoffe, dass das Wetter sich bald wieder ändert. Die Herberge wird von einem Deutschen geführt. Er ist knorrig, urig aber doch sehr lieb. Der Camino wird in drei Teile geteilt. Von Rancesvalles bis Burgos, gehst Du durch deine Schmerzen. Von Burgos bis Leon gehst du nach innen und ab Leon kommt die große Freude. In Santiago bist Du dann von allen Sünden befreit. Wenn Du noch etwas für Deine Seele tun willst, gehst Du nach Finsterre - das Ende der Welt.

Alles Liebe Mechthild

 

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17.10.06

Ich bin in El Burgo Ranero, in einer kuscheligen Herberge mit wunderbaren Menschen als Hospitaleros. Ich wusste nicht, dass es mir gelingt, mit meinem bisschen Französisch die Herzen der Menschen zu berühren. So wie mein Körper gefordert ist, so ist auch mein Geist hier gefordert. Die meiste Zeit spreche ich englisch und französisch. Bei den einzigen Deutschen, die da sind, stimmt die Chemie nicht sonderlich. Aber wir haben dasselbe Tempo und treffen uns immer wieder. Auf meinem Weg werde ich jede Sekunde von Alfred begleitet, der mich ja inspiriert hat. Es ist eine wunderbare Erfahrung. Ich bin ihm sehr dankbar dafür. Heute hatte ich meinen ersten Regentag, aber das war gar nicht schlimm. Morgen übernachte ich noch einmal und bin am Donnerstag in Leon.
 
Danke, dass Ihr mich alle begleitet auf meinem Weg. Ich spüre die Energie und fühle mich fast nie alleine, obwohl ich heute wieder den ganzen Tag nur Pilger in den Bars und Herbergen sah. Wenn ich ganz traurig bin, bekomme ich sofort einen Anruf und das tut sehr gut.
 
Mechthild

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16.10.06

Es macht Spaß jeden Abend etwas ins Internet zu schreiben und Euch teilhaben zu lassen. Was soll man auch an diesen Abenden machen. Ich bin heute 22km sehr leicht gelaufen und bin jetzt in Sahagun. Die Herberge ist in einer sehr schönen alten Kirche untergebracht, aber leider sehr verdreckt. Seit 2 Wochen schlafe ich zum ersten Mal in einem Raum für mich alleine. Die Landschaft ist immer noch sehr weit, es wird kälter und der Himmel ist bedeckt. In vielleicht 2 Tagen bin ich in Leon. Heute bin ich sehr einsam gelaufen aber ich fühle mich nicht alleine. Ich bin immer in liebevoller Begleitung........... 

Alles Liebe Mechthild

 

P.S. Bald habe ich Halbzeit!

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15.10.2006            noch 397 km . . .

Heute bin ich nur 18 km gelaufen. Im nächsten Refugio gibt es Flöhe, ich hätte dann 30km heute laufen müssen. Hier haben wir es schön und sauber. Aber von Moskitos verstochen sind wir alle. Du siehst ich sage schon dauernd "Wir". Es ist wirklich ein Wir und doch Eins. Es ist eine eigene Welt, in der jeder so sein kann wie er will. Gestern auf dem Weg hatte ich eine leere Wasserflasche in der Hand. Sofort fragte ein Spanier, ob ich Wasser brauche. Die Hilfsbereitschaft ist einfach wunderbar. Eben habe ich zwei Frauen aus Australien kennen gelernt und wir haben über Eckhardt Tolle gesprochen. Die Begegnungen sind wie ein Wunder. Langsam fange ich an zu genießen. Vorgestern sind wir mit gregorianischen Gesängen aufgewacht und vom Herbergsvater mit Küsschen verabschiedet worden. Natürlich nur die Frauen.

Das Wetter ist herrlich und ca 20 Grad.

 

Alles Liebe Mechthild

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14.10.06                    noch 415 km . .

Heute ist der 11. Wandertag.  ich bin 25 km  durch weites, eintöniges aber wundervolles Land gegangen. Der Weg geht km weit an Feldern vorbei. Die Sonne brennt. Kein Baum und kein Schatten. Ich schlafe heute in einem Kloster, ganz urig. Langsam wird alles leichter, obwohl mein rechter Fuß noch immer nicht abgeheilt ist. Die Füße reduzieren sich auf Normalmaß und die Schuhe sind wieder groß genug. Auf diesem Weg ist alles anders. Ich bin so froh gegangen zu sein. ich kann nur jedem Sagen, geh' einfach los. Du wirst nur gewinnen. Noch 95 km bis Leon. Das sind vier Tage. Vielleicht? Ich bin glücklich........
 
Alles Liebe Mechthild

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13.10.06

Boadilla del Camino

Nach einem schönen Wandertag bei herrlichem Wetter komme ich in eine wunderschöne private Herberge. Eine kleine Gruppe Franzosen treffe ich wieder. Wir essen gemeinsam. Es ist ein herrlicher Abend. Ich glaube, ich habe Flöhe. ich habe meine gesamte Wäsche in der Maschine gewaschen und im Trockner getrocknet. Das gibt ein gutes Gefühl.

12.10.06                    noch 440 km . .

Ich bin von Santa Domingo, der Füße wegen mit dem Bus nach Burgos gefahren. Also 60 km geschummelt. Der Tag Ruhe hat mir gut getan. Aber die Füße sind immer noch nicht in Ordnung. Wir gehen jetzt bis Leon durch weite, einsame Wege. Jeden Tag gehe ich ca 20 km. Die Menschen, die ich jetzt treffe sind sehr spirituell. Dieses Stück fahren die meisten mit dem Bus. Hier kommst du mit deiner Seele in Kontakt. Die Herbergen werden einfacher und kleiner. Es ist wunderbar in dieser Hochebene zu laufen und nach innen zu schauen. Alleine ist man nie. Ich habe wundervolle junge Menschen um mich herum. Es entstehen schöne Gespräche. Der Rucksack wird jeden Tag ein wenig leichter. Ich bin glücklich auf diesem Weg. Auch wenn jeder Schritt noch weh tut.

Alles Liebe Mechthild

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11.10.06

Heute der 7. Ich bin in Santa Domingo, einer wunderschönen Stadt mit einem herrlichen Dom. Auch wenn ich mich wieder hole, ich habe schon wieder eine neue Blase und einen blauen Zeh. Wenn ich mich dann endlich mit den Schuhen versöhnt habe, fallen sie auseinander. Es ist schon eine Herausforderung für Mensch und Material. Ich habe das völlig unterschätzt. Trotzdem bin ich froh, mich auf den Weg gemacht zu haben. Wenn alles gut geht, bin ich übermorgen in Burgos. Morgens um 7:30 gehen wir los, es dämmert gerade und um 9 Uhr, vielleicht nach 6 km kommt ein Frühstück. Mit Gepäck und Gelände schaffen wir nur ca 3/4 km in der Stunde. Ich bin gespannt, wann das Genießen kommt.

Alles Liebe Mechthild

 
 
 
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10.10.06
 
Egal wie es am Abend war, am nächsten Tag gehe ich einfach weiter. Irgendwie geht es immer.
Santa Domingo. Die Herberge ist putzig. Karierte Betten in einer Viererecke. Die Herbergseltern holen einen Arzt für meine Füße. Ein Tag Ruhe verordnet er mir. Ich muss Sanna ziehen lassen. Ich bin verzweifelt. Soll der Weg an meinen Füßen scheitern. Ich fahre mit dem Bus nach Burgos. Soll ich heimfahren? Alfred schickt mir eine Mail: Gehe durch die Schmerzen. Vergiß die Füße und die Schuhe. Du wirst tausendfach belohnt.
 
 
09.10.06
 
Ich bin heute nur 18 km gelaufen. Meine Füße tun so weh, ich kann nicht mehr. Ich bade sie in kaltem Salzwasser. In der Eingangshalle der Herberge hängt ein Riesenposter der Kathedrale von Santiago. Durch mich pulste ein Energiestrom. Da will ich hin. Egal was es kostet. Ich gehe weiter. Wir schlafen in einem Raum mit 60 Personen. Irgendwie wird das alles normal.
 
08.10.06
 
Wir laufen über Logrono nach Navarrete. Logrono kannte ich ja schon. Meine Füße tun so weh. Ich will mir neue Schuhe kaufen. Geht alles nicht. Meine sind doch noch die besten. Rüdiger verabschiedet sich hier. Er fährt nach Hause. Sanna und ich machen sich auf den Weg. In Navarret einer sauberen, kleine Herberge gehen wir mit Tom und Marie essen. Wir bekommen einen wunderbaren Hasen.
 
 
07.10.06
 
Sanna geht noch mit mir. Wir kommen nach Vianna. Wir mussten viel Strasse heute laufen. Es war ein langer Weg nach Vianna. Die Herberge ist in einem herrlichen alten Gebäude. Sanna und ich essen im Freien zu Abend. Jean Pierre, ein Franzose, der von Le Puy läuft, tröstet mich. Nach 10 Tagen ist das mit den Blasen vorbei.
 
 
06.10.06
 
Ich verabschiede mich in Los Arcos von meinen Turnschuhen. Weniger Gewicht ist besser. In der wunderschönen Kirche bekommen wir am Abend eine Pilgersegnung und ein Gebet mit auf den Weg. Meine Füße sind geschwollen und tun sehr weh.
 
05.10.06
 
Ich habe mich verlaufen. habe den gelben Feil übersehen. und bin zwei km umsonst gelaufen und das mit meinen Blasen an den Füßen. Ich verstehe das nicht. Ich hatte noch nie Blasen in diesen Schuhen. Wir sind in Estella und ich lerne Sanna eine Finnin kennen. Wir verstehen uns sehr gut und gehen gemeinsam.
 
04.10. 06
 
Puenta la Reina, die berühmte Brücke. Hier vereinen sich drei Jakobswege. Die zweite Nacht in der Herberge war gut. Ich schlafe wunderbar.
 
03.10.06
 
Heute ist mein erster Wandertag. Ich gehe von Pamplona nach Puente la Reina.Ich habe in der Herberge geschlafen. Sehr gut sogar. Ich gehe 24 km, es regnet ein wenig. Der Weg ist steinig und etwas schwierig. Es läuft alles gut.
 
 

Praxis für Psychotherapie | webmaster@gluecklich-leben.net